Ans­gar Nier­hoff, Preis­trä­ger 2000

Ans­gar Nier­hoff wur­de 1941 in Mesche­de gebo­ren und wuchs auf in Sied­ling­hau­sen. Nach einer Berufs­aus­bil­dung zum Mau­rer mach­te er 1964 in Fran­ken­berg das Abitur und stu­dier­te an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf. 1977 nahm er an der docu­men­ta 6 teil. Schon in den 1970er Jah­ren hat­te er sich auf den Werk­stoff Eisen fest­ge­legt und damit auch auf des­sen spe­zi­fi­sche tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten. Aus­ge­hend von Vor­zeich­nun­gen geo­me­tri­scher Grund­for­men wer­den die wuch­ti­gen Plas­ti­ken zu Kon­zen­tra­ten, die ihre jewei­li­ge Umge­bung, sei es Natur- oder Stadt­raum, reflek­tie­ren und ver­dich­ten. Im Jah­re 1983 arbei­te­te er zeit­wei­se in New York im Ate­lier Geor­ge Rickeys, der zu den Weg­be­rei­tern der moder­nen ame­ri­ka­ni­schen Bild­haue­rei zählt. Ans­gar Nier­hoff gehör­te zu den wich­tigs­ten deut­schen Stahl­bild­hau­ern, sei­ne Wer­ke wur­den mit zahl­rei­chen Ehrun­gen und Prei­sen bedacht und sind im öffent­li­chen Raum viel­fach prä­sent. Sein Schaf­fen cha­rak­te­ri­sier­te er so: „Kunst ist weib­lich und sinn­lich, nicht anma­ßend, eher beschei­den, aber Maß-set­zend. Die Skulp­tur und ihre Abmes­sun­gen sind kör­per­be­zo­gen oder maß­ver­traut i.S. von Reich­hö­he, Umfas­sungs­mög­lich­keit, Begeh­bar­keit, Über­schau­bar­keit“. 1986 war Ans­gar Nier­hoff Gast­pro­fes­sor an der Gesamt­hoch­schu­le Kas­sel. Von 1988 bis zu sei­nem Tod im August 2010 hat­te der zuletzt in sei­ner Wahl­hei­mat Köln leben­de Künst­ler eine Pro­fes­sur für Bild­haue­rei an der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te in Mainz.

Aus­stel­lun­gen und Aus­stel­lungs­be­tei­li­gun­gen (Aus­wahl):

Köln, Kas­sel, Vil­ni­us, Duis­burg, Gotha, Hal­le, Dres­den, Nürn­berg, Wis­mar, Mainz, Bonn, Ber­lin — Schloss Char­lot­ten­burg …
Zahl­rei­che Arbei­ten im öffent­li­chen Raum.
Ans­gar Nier­hoff lebt und arbei­tet in Köln, Pro­fes­sur an der Uni­ver­si­tät Mainz.

Als Bild­hau­er mit inter­na­tio­na­lem Reno­mee sind sei­ne Wer­ke welt­weit prä­sent. Sei­ner ers­ten Aus­stel­lung 1968 in der Gale­rie Arte Inter­me­dia folg­ten bis heu­te unzäh­li­ge Ein­zel­aus­stel­lun­gen und Aus­stel­lungs­be­tei­li­gun­gen im In- und Aus­land. Sei­ne Wer­ke befin­den sich in den bedeu­ten­den gro­ßen Muse­en und Samm­lun­gen.

Ans­gar Nier­hoffs Kunst ist stark vom jewei­li­gen Ort geprägt und mit ihm ver­bun­den. Sei­ne Skulp­tu­ren kor­re­spon­die­ren mit dem jewei­li­gen Raum, mit Archi­tek­tur und Natur, mit der wei­ten Land­schaft und dem geschlos­se­nen Platz. In gegen­sei­ti­ger Abhän­gig­keit geht sei­ne Kunst repekt­voll auf die jewei­li­ge geschicht­li­che Bedeu­tung des Ortes ein. Der Umgang mit dem Vor­han­de­nen ist so voll­endet, dass man das Gefühl hat, Skulp­tur und Raum bil­den jeweils so eine Ein­heit, als wären sie schon ewig da. Mas­se und Pro­por­tio­nen der Wer­ke von Ans­gar Nier­hoff wer­den aus Grund­for­men ent­wi­ckelt.

Trau­er um Ans­gar Nier­hoff

Meschede/Bad Ber­le­burg. Meschede/Bad Ber­le­burg. Süd­west­fa­len trau­ert um den gro­ßen Bild­hau­er Ans­gar Nier­hoff, der kurz vor der Voll­endung sei­nes 69. Geburts­ta­ges starb. Der in Mesche­de gebo­re­ne Nier­hoff gilt nicht nur als einer der renom­mier­tes­ten Bild­hau­er der Gegen­wart. „Er ist einer der füh­ren­den Künst­ler, die das Sau­er­land her­vor­ge­bracht hat“, so Prof. Dr. Carl-Peter Busch­küh­le, Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­der des August-Macke-Prei­ses.

Ans­gar Nier­hoff, am 1. Okto­ber 1941 in Mesche­de gebo­ren, hat mit sei­nen Stahl­skulp­tu­ren den öffent­li­chen Raum nach­hal­tig geprägt. Die Docu­men­ta 6 von 1977 mach­te sein Schaf­fen auch einer grö­ße­ren Öffent­lich­keit prä­sent. Nier­hoff wur­de mit dem För­der­preis des Lan­des NRW für Bil­den­de Kunst und dem August-Macke-Preis aus­ge­zeich­net. Er starb bereits am 2. August in sei­ner Wahl­hei­mat Köln, wie erst jetzt bekannt wur­de.

Gera­de in sei­ner süd­west­fä­li­schen Hei­mat ist Ans­gar Nier­hoff beson­ders ein­drück­lich ver­tre­ten. Die Skulp­tur „Kein leich­tes Spiel“ auf dem Wald­skulp­tu­ren­weg zwi­schen Schmal­len­berg und Bad Ber­le­burg ist ein weit­hin prä­gen­des künst­le­ri­sches Wahr­zei­chen. „Für mich ist die­ses schwer­ge­wich­ti­ge ‚Kein leich­tes Spiel’ die inter­es­san­tes­te Skulp­tur, weil sie von allen Sei­ten Span­nung hat“, wür­digt der Bad Ber­le­bur­ger Otto Mar­bur­ger, Mit­glied im Künst­le­ri­schen Bei­rat des Wald­skulp­tu­ren­we­ges, den bedeu­ten­den Künst­ler: „Sei­ne Fähig­keit, den Raum mit sei­nen Skulp­tu­ren zu ver­we­ben, ist beein­dru­ckend. Wir sind so trau­rig.“

Über­zeug­ter Sau­er­län­der
„Er war ein gro­ßer För­de­rer des Wald­skulp­tu­ren­wegs. Zusam­men mit sei­ner Frau war er auch Mit­glied des För­der­ver­eins“, trau­ert Wolf­gang Völ­ker, Vor­sit­zen­der der Witt­gen­stei­ner Aka­de­mie und Pro­jekt­lei­ter des Wald­skulp­tu­ren­we­ges. „Prof. Nier­hoff hat die ers­te Skulp­tur am Wald­skulp­tu­ren­weg kre­iert. Das war auch die ers­te Arbeit, die dem Wald­skulp­tu­ren­weg sei­ne Bedeu­tung gege­ben hat. Nier­hoff war der ers­te, der her­aus­ge­ar­bei­tet hat, dass Sau­er­land und Witt­gen­stein zwei unter­schied­li­che Kul­tu­ren sind, und er hat mit den zwei geöff­ne­ten Fens­tern die Über­win­dung von Gren­zen sicht­bar gemacht.“

HSK-Kreis­di­rek­tor Win­fried Stork unter­streicht: „Wir kön­nen stolz sein, dass das Sau­er­land einen sol­chen Künst­ler her­vor­ge­bracht hat, der in einer ganz hohen Liga spielt und über­zeug­ter Sau­er­län­der war.“ Stork ergänzt: „Nier­hoff war auch mensch­lich eine beein­dru­cken­de Per­sön­lich­keit, er wuss­te genau, was er woll­te.“

Prof. Dr. Carl-Peter Busch­küh­le aus Ols­berg, Kunst­pro­fes­sor in Gie­ßen und Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­der des August-Macke-Prei­ses: „Nier­hoff war ein Aus­hän­ge­schild für das Sau­er­land. Wenn es um die inter­na­tio­nal bekann­ten Künst­ler geht, die das Sau­er­land her­vor­ge­bracht hat, muss er an zwei­ter Stel­le nach August Macke genannt wer­den.“ Prof. Busch­küh­le hebt die Schöp­fer­kraft des Meis­ters her­vor. „Im Bereich der Bild­haue­rei hat sich Nier­hoff eine bestimm­te Posi­ti­on erar­bei­tet. Er hat­te eine gro­ße Mate­ri­al­sen­si­bi­li­tät. Er hat neue Werk­stof­fe wie Edel­stahl für die Kunst ent­deckt, und er hat die­sen Werk­stof­fen eine neue ästhe­ti­sche Qua­li­tät gege­ben.“

Der gelern­te Mau­rer und lang­jäh­ri­ge Hoch­schul­leh­rer Nier­hoff blieb sei­ner Hei­mat ver­bun­den: Sied­ling­hau­sen, wo die Eltern her­ka­men und wo er ein Feri­en­haus hat­te, den Städ­ten Sie­gen, Schmal­len­berg, Bad Ber­le­burg, wo er 2008 unter dem Titel „umFor­men und umStel­len“ ein spek­ta­ku­lä­res Aus­stel­lungs­pro­jekt rea­li­sier­te.

„Er war durch­aus auch Hand­wer­ker, jemand der boden­stän­dig ist, eine Per­sön­lich­keit, die Ecken und Kan­ten hat­te“, erin­nert sich Busch­küh­le. „Kein leich­tes Spiel“ auf dem Wald­skulp­tu­ren­weg fas­zi­niert ihn: „Es ist das Erz der Erde, was sich da in Nier­hoffs Skulp­tur formt.“

Ein span­nen­der Mann
„Er war unglaub­lich genau, wuss­te sehr genau, was er woll­te, erfass­te intui­tiv die rich­ti­gen Plät­ze für sei­ne Skulp­tu­ren. Das hat mich immer inspi­riert. Er war ein span­nen­der Mann“, trau­ert Bild­hau­er­kol­le­gin Gabrie­le Schulz aus Schmal­len­berg.

„Er war ein Künst­ler, der sei­ne Kunst selbst in die Hand genom­men hat, im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Er war ein Gestal­ter. Ans­gar Nier­hoff war immer offen für Men­schen, er begeis­ter­te auch die Leu­te, die mit gefal­te­ten Stahl­plat­ten nichts anfan­gen kön­nen. Mit dem Wald­skulp­tu­ren­weg hat er sich iden­ti­fi­ziert“, so Rikar­de Rie­de­sel, Lei­te­rin des Muse­ums der Stadt Bad Ber­le­burg.

Wolf­gang Sutt­ner, Kul­tur­re­fe­rent des Krei­ses Sie­gen-Witt­gen­stein: „Er hat nie gegen das Mate­ri­al gear­bei­tet, er zähm­te es. Das ist gera­de bei Eisen schwer. Er hat das Eisen auch in den klei­nen For­men beherrscht. Das ist ein noch grö­ße­res Kunst­stück. Er war Künst­ler und Schmied zugleich

Quel­le: Regi­on, 12.08.2010, Dr. Moni­ka Wil­ler, West­fa­len­post