Gotthard Graubner, Preisträger 1987
Gotthard Graubner, geboren 1930 in Erlbach (Vogtland) studierte an der HfBK Berlin sowie an den Kunstakademien in Dresden und Düsseldorf. Er war ein Jahr als Kunsterzieher am Gymnasium in Düsseldorf tätig. 1962 schuf er die erste Arbeit eines Oevres, das sich seither konsequent und unverwechselbar mit einem zentralen Thema auseinandersetzt: dem Vorstoß der reinen Farbe in die dritte Dimension. Er spannte Leinwand über gebauschte synthetische Watte und lasierte Schichten von Farbe darüber, so dass pralle „Farbkissen“ entstanden. Ab 1970 prägte Graubner für seine oft großformatigen Gebilde den Terminus „Farbraumkörper“. Graubner erzielt durch die komplexe Schichtung der Farbaufträge, sei es monochrom in feinsten Nuancen oder in vielfarbiger Kombination, eine malerische Qualität von einzigartig suggestiver Kraft. Kontemplative aber auch irritierende Räume und Landschaften entstehen, nicht aus linear-perspektivischer Konstruktion, sondern allein aus dem pulsierenden Eigenleben der Farbewerte. Die Farbe wird befreit von allem „funktionalen Druck“, etwas anderes zeigen zu müssen als nur sich selbst und tritt – ein immaterielles Lichtphänomen — den Betrachtern quasi materialisiert entgegen. Unbeirrbar von den Entwicklungen der Gegenwartskunst hat Graubner sein Anliegen künstlerisch und technisch fortentwickelt — mit internationaler Anerkennung: zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, Professuren für Malerei in Hamburg und seit 1976 in Düsseldorf, Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Graubner schuf Arbeiten für den Amtssitz des Bundepräsidenten (Schloß Bellevue) und für den Protokollraum des Deutschen Bundestags im Reichtagsgebäude. Der Künstler lebte und arbeitete in Düsseldorf. Am 24. Mai 2013 verstarb Gotthard Graubner. Er war einer der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart.
Nachruf zum Tode
9. Juni 2013
Am 24 Mai 2013 starb Gotthard Graubner, einer der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart. 1987 wurde Graubner mit dem August-Macke-Preis geehrt, der damals noch von der Stadt Meschede verliehen wurde.
Graubners Werk ist markant und einzigartig in der Entwicklung der modernen Malerei. 1962 begann er, das traditionelle Bild in die von ihm so benannten ‚Farbraumkörper‘ zu verwandeln. Er spannte die großformatige Leinwand über eine Schicht aus synthetischer Watte, so dass die Malfläche sich opak zu wölben begann, ein ‚Farbkissen‘ als Farbkörper sich in den Raum hinaus ausdehnte. Graubner löste sich mit diesen Werken völlig vom gegenständlichen Abbild und ließ die Farbe einzig und allein sich selbst zu Geltung bringen. Dies geschah in äußerst sensiblen, nuancenreichen Farbbewegungen und Farbschichtungen, bei denen die Farbe tief in den Bildgrund eindrang. So begegnet dem Betrachter ein monumentales Farbobjekt, welches die Aufmerksamkeit in den Bann zieht – nicht spektakulär und aufgeregt, sondern buchstäblich tiefschichtig bewegt, von magischer Ausstrahlung. Diese überträgt sich auf den Betrachter, der sich in die pure sinnliche Gegenwart der Farben hinein versenkt. Dieses intensive und zugleich kontemplative Werk Graubners entzog sich konsequent über Jahrzehnte dem hektischen Getriebe einer marktorientierten Kunst. Gleichwohl war der zweifache Documenta-Teilnehmer (1968, 1977)immer präsent: auf zahlreichen Einzelausstellungen weltweit, auf Biennalen wie denen von Sao Paulo (1979)und Venedig (1982), in den Jahren 2005 und 2006 hatte er große Ausstellungen in China (Peking, Shanghai, Hangzhou). Von 1976 – 1992 war er Professor für freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und gerade in den letzten Jahren entdeckt eine junge Malergeneration die Impulse des Werkes Graubners für die Entwicklung dieser Kunst neu. Gotthard Graubner wird so in Erinnerung bleiben, als konsequenter Künstler, der einen bedeutsamen Beitrag zur Malerei leistete und ein eindrucksvolles Werk hinterlässt. Viele Arbeiten von ihm sind im privaten und öffentlichen Besitz. Nicht nur in Museen sind sie zu betrachten, Werke von Graubner befinden sich auch im Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, sowie im Reichstag.
Carl-Peter Buschkühle
